Ringen mit dem Gefühl von Kontrollverlust

Reden statt still Leiden

Aktueller BLOG Beitrag
von Fritz Zehetner, Jänner 2021

Auch für scheinbar psychisch stabile Menschen bedeutet es starken Stress, wenn plötzlich das Gefühl entsteht, die Kontrolle über das eigene Schicksal aus der Hand zu geben und scheinbar zum Spielball der Ereignisse zu werden. Zunächst entstehen Angst, Wut und Widerstand. Gelingt es damit nicht, die Kontrolle zurückzugewinnen, wird es oft mehr und mehr zu einem Gefühl der Ausweglosigkeit und Resignation.

Besonders das Gefühl des Kontrollverlusts sowie der Mangel an sozialen Interaktionen während der COVID-19 Pandemie belastete viele von uns. Und, es gibt da noch den Anspruch, immer die Kontrolle zu behalten, nicht darüber zu reden und alles alleine in den Griff zu bekommen.
Wir hatten schon vor der COVID-19 Pandemie nie alles selbst unter Kontrolle, auch wenn wir uns das vielleicht manchmal eingeredet haben oder es möglicherweise andere von uns erwartet haben. Die Pandemie hat aber zweifellos neben bestehenden Herausforderungen eine weitere Packung in den „Sorgenrucksack“ gesteckt. Es kommt nun oft zu viel zusammen und unsere Energie ist begrenzt alles alleine zu schaffen.

Ich habe diesen Text geschrieben, weil ich diese Erfahrungen in den letzten Wochen und Monaten selbst gemacht und nicht damit gerechnet habe, dass das auch mir passieren könnte. Auch ich habe von mir erwartet, es während dieser COVID-19 Pandemie alleine zu schaffen und die Kontrolle zu behalten. Ich spürte aber zunehmend immer mehr Antriebslosigkeit und Resignation. Erst als ich über meine diffusen Ängste, Sorgen und trüben Gedanken mit meinen Liebsten und anderen nahestehenden Personen darüber zu reden begann, setzte Erleichterung ein. Sie nahmen mich ernst, erteilten mir keine klugen Ratschläge, sondern fragten und hörten geduldig zu. Sie ermöglichten mir damit wieder eine realistischere Sicht auf die Dinge zu bekommen, die mich innerlich belasteten. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür.